Medien der Auferstehung - 2009


Gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft (Prof. Helga Finter) und der Professur für Neuere Deutsche Literatur und Kulturwissenschaft (Prof. Uwe Wirth) der JLU veranstaltete das ZMI seine traditionelle Herbsttagung vom 12. bis 14. November 2009 im Margarete-Bieber-Saal zum Thema "Medien der Auferstehung".

12.-14.11.2009: Internationale Konferenz "Medien der Auferstehung".

Konzeption:
Prof. Dr. Helga Finter, Prof. Dr. Uwe Wirth, Petra Bolte-Picker, Dr. Kai Bremer, Dr. Jörn Etzold


Medien der AuferstehungWenn das Medium die Botschaft ist, wie der (katholische) Medientheoretiker Marshall McLuhan es definiert, dann ist in unserer Kultur das erste Medium jenes angesichts des leeren Grabs Jesu Christi gesprochene Wort: "Er ist auferstanden!" – ein Wort, das als Spur der Abwesenheit Medium und Botschaft zugleich ist. Seitdem trägt jedes Medium, jede als Vermittlungsinstanz auftretende mediale Materialität, die Spur dieser Abwesenheit und impliziert zugleich den Glauben an die Kraft, Präsenz zu schaffen. Insofern ist seine einzige Botschaft es selbst.

Die Konferenz "Medien der Auferstehung" stellte Fragen nach den Funktionen und Zusammenhängen von Repräsentation, Sprache, Wort, Zeichen und Textualität im Hinblick auf Praktiken, die mit dem Ereignis der Auferstehung in Verbindung stehen. Für die Aporien der "Medien der Auferstehung" kann das erste dieser Medien stehen: die Eucharistie. Die Eucharistie symbolisiert im Sprechakt zugleich das letzte Menschenopfer, vollzieht es imaginär und transfiguriert es in der Gewissheit der Auferstehung. Sie ist die Zelebrierung der Realpräsenz des Auferstandenen ebenso wie ein immer wieder zu wiederholendes Ritual "zu meinem Gedächtnis". In den unlösbaren Aporien der Eucharistie finden sich, so eine These der Konferenz, die verschiedensten Umgangsweisen mit und Theoriebildungen zu alten und neuen Medien präfiguriert.

Thematisiert wurden diese Zusammenhänge anhand konkreter Fragestellungen: Welche Auferstehungsphantasmen, aber auch –praktiken rücken in einer medialisierten, digitalisierten, modernen Welt in den Vordergrund? Wie wirkt der Zusammenprall von Medialität und Auferstehung auf das Verstehen und Wahrnehmen von Repräsentation, Verkörperung, Geste/Handlung, Kommunikation? Wie kommen Verfahren einer gescheiterten Eucharistie zur Geltung, z.B. in Funktionen des Erkennens/der Nichterkennbarkeit, der Konstitution/des Scheiterns, Präsenz/Abwesenheit? Welche an der Eucharistie beteiligten Elemente (z.B. die Reliquie, das Tabernakel) und Codes übernehmen mediale Funktionen und wie werden sie in verschiedenen Disziplinen (z.B. der Filmwissenschaft, den Philologien) gedacht und ggf. motivisch verarbeitet? Welche Technisierungs- und Verkörperungsstrategien aktualisieren spezifische Auferstehungsdiskurse in unterschiedlichen Kontexten und verschiedenen Epochen? Ist womöglich die Feststellung: "Das wurde digitalisiert" das medientechnische Äquivalent zu "Er ist auferstanden"?

zuletzt bearbeitet: [|profil.btrebitz], 05.06.2012 um 14:06 Uhr