Filmreihe: Ikonographie des Terrors? 30 Jahre Deutschland im Herbst
Exposé
Die Filme zum Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland lassen sich zwei Entwicklungslinien zuordnen, die beide ihren Ausgangspunkt in jenem innovativen Filmprojekt haben, das 2008 sein 30jähriges Jubiläum feiert: Deutschland im Herbst.
Es ging den beteiligten Filmemachern – herausragenden Vertretern des Neuen Deutschen Kinos wie R. W. Fassbinder, V. Schlöndorff oder A. Kluge – mit ihrer Koproduktion darum, „Erinnerung – eine subjektive Momentaufnahme – festzuhalten“. Um dieser Subjektivität Ausdruck zu verleihen bedienten sie sich der innovativen Montage von Reportage- und Spielszenen. Damit begründeten sie einerseits das Genre der sogenannten Dokufiction. Filme wie Andres Veiels Black Box BRD (2001) machen dann gerade diesen Typ filmischer Erinnerungsarbeit für die Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit fruchtbar.
Andererseits bilden die fiktiven Sequenzen von Deutschland im Herbst den Ansatzpunkt für die zweite Hauptrichtung der Nachfolgefilme, das psychologische Drama. Von Reinhard Hauffs Messer im Kopf (1978) über Margarethe von Trottas Die bleierne Zeit (1981) bis hin zu Christian Petzolds Die innere Sicherheit (2001) dient der Terrorismus als Folie für eine (links)intellektuelle Selbstreflexion, an deren Ende eine tiefgreifende politische Ernüchterung angesichts fragwürdig gewordener Utopien steht.
Gegenwärtig zeigen sich neue Tendenzen beim Umgang mit der jüngeren Vergangenheit, wobei sich eine Art Ablösung vom zeitgeschichtlichen Diskurs zeigt. Christopher Roths Baader (2002) stilisiert die Stadtguerilleros zu Ikonen der Popkultur. In Hans Weingartners Die fetten Jahre sind vorbei (2004) schließlich wird der Terrorismus zur mythischen Vorlage für Sinnstiftungsversuche einer politisch orientierungslosen jungen Generation.
Die Reihe zeichnet anhand ausgewählter Filmbeispiele und in Gesprächen mit Filmschaffenden die verschiedenen Entwicklungslinien der filmischen Inszenierung des Terrorismus seit Deutschland im Herbst nach. Mit Ricœur lässt sich nach der kulturellen Präfiguration der Werke und den Konfigurationsweisen der transportierten Narrative fragen; also danach auf welche Weise Erinnerung als „subjektive Momentaufnahme“ festgehalten wird.
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zuletzt bearbeitet: [|profil.btrebitz],
05.03.2012 um 11:03 Uhr