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Loewe-Schwerpunkt "Kulturtechniken und ihre Medialisierung"
Projekt A3: "Die Ordnung von Wissen in Texten – Textgliederung und Strukturvisualisierung als Quellen natürlicher Wissensontologien"
Projektleiter:
Prof. Dr. Henning Lobin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Jana Klawitter
PhD-Stipendiatin:
Mariana Hebborn
Wissenschaftliche Hilfskraft:
Bastian Entrup

Wissen tritt uns in textueller Form immer durch hierarchisch und visuell gegliederte Texteinheiten entgegen, was bei wissenschaftlichen Texten besonders deutlich wird. Die Textgliederung spiegelt hier wesentliche Teile der Wissensstruktur wider, die im Text aufgebaut wird.
Formale Wissensstrukturen werden in letzter Zeit als
Ontologien konzeptualisiert und für Prozesse der
maschinellen Wissensverarbeitung genutzt, gleichzeitig wirken sprachliche und inhaltliche Konventionen der Textsorte und der Dokumentgestaltung auf die Gliederung zurück. Die Gliederung einer modernen Dissertation etwa stellt einen „Kompromiss“ dar zwischen den Anforderungen der Textsorte und den methodischen und sachlichen Gegebenheiten des Gegenstandes; Präsentationen hingegen entfalten nahezu den gesamten Inhalt eines Vortrags als eine folienweise dargestellte Gliederung.
Das Ordnen von Wissen in Texten durch
hierarchisch-visuelles Gliedern ist ein Teil der komplexen
Kulturtechnik des Schreibens . Enge Bezüge bestehen deshalb zur Untersuchung von Schreibroutinen sowie zu den Rückbezügen auf den Leseprozess. Das Projekt nimmt Bezug auf einen Medienbegriff, nach dem Medien als Mittel der Kommunikation wechselweise Struktur und Inhalt der Kommunikation beeinflussen und dabei die Kommunikationsanforderungen selbst wieder verändern. Das Medium wird dabei zunächst im Sinne seiner technisch-materiellen Konfiguration verstanden, diese Sichtweise wird jedoch erweitert um strukturelle Aspekte des Mediums, etwa Konventionen der Textgestaltung in Abhängigkeit von technisch-materiellen Eigenschaften. Daran schließt sich die Frage an, wie sich dieser Aspekt der Medialisierung in einer
Veränderung der electronic literacy niederschlägt und inwieweit sich die
Nutzung von spezifischen Wissensstrukturen auf Suchprozesse auswirkt.

Im Projekt soll untersucht werden, wie hierarchisch-visuelle Gliederungssysteme aufgebaut sind, wie sie Wissensstrukturen kodieren und wie aus Gliederungen automatisch Ontologien für maschinell unterstützte Navigations-, Archivierungs- oder Suchzwecke abgeleitet werden können. Die Untersuchung erfolgt auf der Grundlage
annotierter Korpora , die mit statistischen und regelbasierten Methoden ausgewertet werden.
Konstruktives Ziel ist die Entwicklung eines
Prototyp-Systems für die
automatische Gliederungsanalyse exemplarischer wissenschaftlicher Texte.
Arbeitsprogramm:
Aufbau eines Gliederungskorpus und Festlegung der Annotationssystematik
Theoretische Aufarbeitung von Gliederungssystemen als komplexen textuellen Strukturzeichen

Linguistische Analyse von Gliederungseinheiten in Hinsicht auf lexikalische, syntaktische, semantische und textfunktionale Eigenschaften
Entwicklung eines Systemdesigns und Implementierung eines Forschungsprototyps