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Loewe-Schwerpunkt "Kulturtechniken und ihre Medialisierung"

Bereich D: Kompetenzzentrum Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung


Wissenschaftliche Mitarbeiter: Karin Knibba

Bereich DDas Kompetenzzentrum Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung wird geleitet von der Grundidee, dass die geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung angesichts des web-unterstützten medialen Wandels in Zukunft die Möglichkeiten der digitalen Datenverarbeitung verstärkt nutzen muss. Der Aufbau, die Strukturierung, der Zugriff und die maschinelle Auswertung von großen kulturellen Datenbeständen bilden hier eine Kerntechnologie. Dabei handelt es sich grundsätzlich um zwei verschiedene Typen von Daten: textbasierte Daten enthalten sprachlich kodierte Informationen, die in Hinblick auf ihre Form oder ihren Inhalt ausgewertet werden; bild- oder grafikbasierte Daten enthalten visuell-ikonisch kodierte Informationen. Beide Datentypen können außerdem in einer zeitlichen Reihung stehen, so dass auch Video- und Audio-Daten erhoben werden können.
Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunktes wird aus diesem Grund ein Kompetenzzentrum für kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung aufgebaut, das von den drei beteiligten Institutionen getragen wird.
Der Bereich D hat insgesamt die Aufgabe, die Forschungs- und Entwicklungsbereiche des beantragten LOEWE-Schwerpunkts synergetisch aufeinander zu beziehen. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit zur Verknüpfung von theoretischer Reflexion, wissenschaftlich begleiteter Erschließung und der Entwicklung neuer digitaler Präsentationsoptionen.
Die Bearbeitung dieser Fragestellungen soll durch zwei Entwicklungsprojekte konkretisiert werden, die eine Brückenfunktion zwischen den Forschungsbereichen A und B und dem Bereich D einnehmen und damit die inhaltliche Reflexion über Kulturtechniken der Wissensvermittlung mit anwendungsorientierten Perspektiven verknüpfen:

Entwicklungsprojekt D1 – "Multimedialisierung der 'Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt' "

Projekt D1
Projektleiter: Prof. Dr. Peter Haslinger, Prof. Dr. Uwe Wirth
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Markus Roth
Wissenschaftliche Hilfskraft: Marcus Burkhardt

Kooperation/Beratung: Hon.-Prof. Sascha Feuchert (Arbeitsstelle Holocaustliteratur, Justus-Liebig-Universität Gießen)
Assoziierter Partner: Prof. Rainer Bernd Voges (FH Gießen-Friedberg)

Das erste Entwicklungsprojekt befasst sich mit der Erstellung einer interaktiv gestalteten Online-Version der 2007 in Buchform veröffentlichten „Lodzer Getto-Chronik“ der Arbeitsstelle für Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der JLU, die Berichte von Augenzeugen aus dem Ghetto von Łódź zwischen 1940 und 1944 zusammenfasst und mit Rahmeninformationen verknüpft. Angestrebt ist nicht nur die Digitalisierung des Materials und dessen Erweiterung um Information in weiteren Medienformaten, sondern auch deren Ausbau zu einem multimedial gestalteten Informationsportal. In diesem soll es durch die Entwicklung interaktiver Funktionalitäten möglich sein, spezifische Nutzergruppen gezielt durch das Informationsangebot zu führen, dabei über Schnittstellen jedoch zusätzliche Informationsangebote aus dem Internet einzubinden. Ziel dieses Entwicklungsprojekts ist es daher auch, das im Teilprojekt B4 entwickelte theoretische Konzept von findability zu implementieren. Dabei ist auch geplant, in die Projektdiskussion entsprechende Arbeitsvorhaben am Herder-Institut (Literaturdatenbank, Bildarchiv, Dokumente und Materialien, digitales Publizieren) einzubeziehen. Dies betrifft die Konzeption, Fragen der technischen Umsetzung, die Verknüpfung von Material unterschiedlicher Medienformate und die Vernetzung dieses Wissensangebots mit den am Herder-Institut entwickelten Informations- und Lernangeboten.

Entwicklungsprojekt D2 – "Korpustechnologie"

Projekt D2
Projektleiter: Prof. Dr. Henning Lobin
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Harald Lüngen

Assoziierter Partner: Prof. Dr. Joachim Zinke (FH Gießen-Friedberg)

Das zweite Entwicklungsprojekt hat die Entwicklung einer sprach- und textbezogenen Forschungsinfrastruktur für Korpora zum Gegenstand. Textkorpora bilden für eine Vielzahl kulturwissenschaftlicher Disziplinen eine wichtige Grundlage – im Bereich der Sprachwissenschaft werden strukturelle Eigenschaften anhand von Korpora untersucht, im Bereich der Literaturwissenschaft inhaltliche und stilistische Bezüge zwischen literarischen Werken hergestellt und in der Geschichtswissenschaft historische Dokumente verfügbar und auswertbar gemacht. Während in den USA und Großbritannien derartige Anforderungen bereits häufig in eigenen Zentren für „Computing in the Humanities“ zusammengefasst werden, setzt diese Entwicklung im deutschsprachigen Raum erst mit Verspätung ein. Eine Schwerpunktsetzung bietet somit neben den forschungspraktischen Aspekten auch die Möglichkeit, ein innovatives Forschungsfeld frühzeitig zu besetzen. Zunächst in Zusammenarbeit mit den Projekten A2 und A4 sollen XML-basierte Auszeichnungsverfahren Anwendung finden, um Textkorpora mit Zusatzinformationen anzureichern. Dabei sollen insbesondere innovative Verfahren der automatisierten Textauszeichnung und des Retrievals über mehrere alternative Strukturebenen hinweg entwickelt werden. In korpustechnologischer Hinsicht bestehen im Arbeitsbereich Computerlinguistik (Prof. Dr. Henning Lobin) umfangreiche Vorarbeiten hinsichtlich des Aufbaus synchroner Korpora für relationale Textstrukturen im Rahmen des 2002-2008 als Teil einer DFG-Forschergruppe durchgeführten Projekts SemDok. Einen weiteren, aktuellen Bezugspunkt des Entwicklungsprojekts bildet seit 2008 die Beteiligung dieses Arbeitsbereichs am vom BMBF geförderten deutschen Zweig D-SPIN des EU-Vorhabens CLARIN („Common Language Resources and Technology Infrastructure”; Verbundprojekt im Rahmen des FP7), das den Aufbau einer Forschungsinfrastruktur für Sprachressourcen zum Gegenstand hat. Das LOEWE-Entwicklungsprojekt soll von vornherein in diesen Forschungskontext eingebettet werden.LOEWE Kugeln Mit der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Gippert) und der Justus-Liebig-Universität sind zwei der neun im deutschen Zweig dieses Vorhabens beteiligten Partner an hessischen Universitäten ansässig – zur Zeit befindet sich auch eine spezifische Kooperation dieser beiden hessischen Partner in Vorbereitung.
zuletzt bearbeitet: [|profil.btrebitz], 19.08.2009 um 17:08 Uhr