Interactive Science - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien
Teilprojekt I: Kollaboratives Wissensmanagement und Demokratisierung von Wissenschaft
Projektleitung:
Prof. Dr. Claus Leggewie (Kulturwissenschaftliches Institut, Essen)
Univ.-Doz. Dr. Michael Nentwich (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)
Prof. Dr. Rainer Kuhlen (Universität Konstanz)
Dr. Christoph Bieber (Universität Gießen)
Wissenschaftliche Mitarbeiter:
René König (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)
Jan Schmirmund, M.A. (Universität Gießen)
Das Teilprojekt gibt auf Basis von Literaturrecherchen, Dokumentenanalysen, Online-Umfragen und Experteninterviews einen Überblick über die laufenden Entwicklungstendenzen im Bereich „Interactive Science“. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen neue Formate von Social Software, wie etwa (Micro-) Blogging, Soziale Netwerke und Wikis, aber auch weitere relevante Plattformen (z. B. Suchmaschinen). Diese und andere werden mit Blick auf die an sie geknüpften Erwartungen egalitärer und demokratisierender Wissensproduktion analysiert. „Interactive Science“ wird dabei auch im Blick auf wissenschaftshistorische Vorläufer kontextualisiert, konstatiert bereits vollzogene Übergange von Science zur Cyberscience und greift Fragestellungen auf, die aus der Weiterentwicklung des Internet bedingt sind (Stichwort Web 2.0).
Eine unserer Aufgaben ist das Anfertigen sogenannter „Steckbriefe“, die einen Überblick über bestimmte Plattformen der Wissenschaftskommunikation geben und ihr Potenzial abschätzen. Der erste Bericht über die virtuelle Welt Second Life zeigte, dass hier diverse wissenschaftliche Institutionen repräsentiert sind und sogar Forschung und Lehre betrieben wird. Aufgrund technischer Defizite muss das Potenzial virtueller Welten für akademische Kommunikation (etwa als Alternativen zu traditionellen Konferenzen) jedoch mit Vorsicht eingeschätzt werden. Der zweite Bericht widmete sich verschiedenen Projekten der Wikimedia Foundation, insbesondere Wikipedia, welche eine neue kollaborative Plattform der Wissensproduktion und -präsentation darstellt. Diese wird nicht nur regelmäßig von WissenschafterInnen genutzt, diese tragen auch auf unterschiedlichen Ebenen zum Inhalt der Enzyklopädie bei. Der dritte Steckbrief über Microblogging konzentrierte sich auf Twitter und seine verschiedenen akademischen Nutzungsformen. Dabei wurde der Schluss gezogen, dass Microblogging den wissenschaftlichen Gemeinschaften neue Kommunikationsmöglichkeiten bietet und sich vermutlich weiter entwickeln wird. Ein weiterer Bericht über Google, Google Scholar and Google Books zeigt, dass diese Suchmaschinen im akademischen Bereich bereits intensiv genutzt werden und daher einen signifikanten Einfluss auf die Wissenschaftskommunikation ausüben.
Auch diverse soziale Netwerke wie ResearchGATE, Academia.edu und Mendeley werden beobachtet. Zudem wird eine Übersicht über die möglichen Effekte des Web 2.0 auf die Wissenschaftskommunikation gegeben und ein Papier, das das Internet hinsichtlich seines Potenzials zur Demokratisierung von Wissenschaft abschätzt, wurde vorbereitet. Weiterhin haben wir Vertrauensmerkmale von Wissenschaftsblogs untersucht und dabei diese Hauptfaktoren identifiziert: Seiten-Design, biografische Informationen zu AutorInnen, verlinkte Seiten in der Blogroll und den Blogbeiträgen sowie Kommentare (sowohl in Bezug auf deren Inhalt als auch die Identität der KommentatorInnen). In einer Online-Umfrage versuchen wir, diese Thesen zu überprüfen. Weiterhin enthält die Umfrage Fragen hinsichtlich der Sicherung wissenschaftlicher Qualität in Social-Media-Formaten, zum Reputationsmanagement sowie der allgemeinen Nutzung von Social Media im wissenschaftlichen Kontext. Zusätzliche Fallstudien (z. B. über Friendfeed und Researchblogging.org) bereiten zusammen mit der Online-Umfrage weitere Experteninterviews vor.
zuletzt bearbeitet: [|profil.btrebitz],
19.01.2012 um 11:01 Uhr