Powerpoint-Debatte unter Beteiligung mehrerer ZMI-Akteure
von Fabian PingelUm die Jahrtausendwende – also vor ziemlich genau einem Jahrzehnt – entbrannte eine Debatte über Sinn und Unsinn, Fluch und Segen des Präsentationsprogramms „Powerpoint“. Von nicht wenigen wurden die computer- und projektorgestützten digitalen Präsentationen im Rücken des Vortragenden als mindestens überflüssig, meist sogar schädlich empfunden, lenken Sie doch – so der verbreitete Vorwurf – vom gesprochenen Wort ab und sind zu diesem meist noch redundant. Seither ist die Debatte etwas abgeflacht, wohl auch deshalb weil lange Zeit auf eine systematische wissenschaftliche Vertiefung des Themas verzichtet wurde. Zwei nahezu zeitgleich erschienene deutschsprachige Publikationen verliehen der Debatte um Powerpoint neue Fahrt. Mittendrin befinden sich gleich mehrere Mitglieder des ZMI.
Nur gut eine Woche später hielt Henning Lobin, Geschäftsführender Direktor des ZMI und Autor des jüngst im Rahmen der Interaktiva-Reihe des ZMI erschienenen Bandes „Inszeniertes Reden auf der Medienbühne“, in der gleichen Zeitung (SZ, 8.12.2009) entgegen, dass nicht das Medium, sondern bestenfalls der Redner schlecht sei, denn dieser müsse gleich mehrere Rollen parallel wahrnehmen: Autor, Regisseur, Bühnenbildner, Rhetor und Darsteller. Dabei bestreitet er nicht, dass Fehler bei Powerpoint-Präsentationen an der Tagesordnung seien du die Versuche der Visualisierung des gesprochenen oftmals „unbeholfen, überflüssig oder ärgerlich“ wirkten. Gegen eine pauschale Kritik an dem Medium verwehrt sich Lobin jedoch und weist im Gegenzug auf die Vorzüge des Mediums bei einer sinnvollen Nutzung hin: So würde etwa in Behörden heute „präsentiert“, wo früher nur Anweisungen gegeben wurden. Auch könnte eine Bebilderung des Vortrags erheblichen Mehrwert beinhalten, wenn gezeigt werde, was nicht einfach in Worte zu fassen ist – etwa das Foto einer Gewebeprobe bei einem medizinischen Vortrag. Vor allem aber wirbt Lobin dafür, den performativen Aspekt von Präsentationen zu beachten: Sie sollten weniger als Vortrag denn als Performance, als „Schauspiel“ begriffen werden.
Systematisch befasst sich der Trierer Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Bucher im Rahmen des ZMI-Forschungsverbunds „Interactive Science“ mit dem Neben- oder besser gesagt dem Miteinander von gesprochenem Vortrag und Visualisierung durch Powerpoint. So werden beispielsweise die Blickbewegungen von Zuhörern beziehungsweise Zuschauern während einer Präsentation erfasst und ausgewertet. Im Blog des Forschungsverbundes wirft Bucher Steinfeld denn auch vor, die alten, von Technikdeterminismus getriebenen Ressentiments gegen Powerpoint aufzuwärmen, die in der Mediengeschichte längst nicht mehr vertreten würden. Sie seien nicht zuletzt gegründet auf die lange Tradition in der Wissenschaft, allem Visuellen ablehnend gegenüberzustehen. Dabei bildeten nach Buchers Ansicht „Präsentation und Vortrag (…) keinen Gegensatz, sondern sind jeweils unterschiedliche Strategien der unmittelbaren Wissensvermittlung – die man gut oder schlecht ausführen kann.“
Mit Sibylle Peters hat sich mittlerweile neben Lobin und Bucher ein Drittes Mitglied des „Interactive Science“-Forschungsverbundes in die Debatte eingeschaltet. Unter dem Titel „Wir Schauspieler“ veröffentlichte sie in der
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19.08.2009 um 17:08 Uhr