Virtual Memory, Virtual History - 2006

Herbsttagung des Sonderforschungsbereichs Erinnerungskulturen, des ZMI und des GCSC


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Foto: Dr. Erik Meyer (links) und Dr. Ralf Adelmann in der Diskussion über digitale Visualisierungen im Geschichtsfernsehen










Die Vergegenwärtigung von Vergangenheit in Neuen Medien war Thema einer zweitägigen Tagung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Durchgeführt wurde die Veranstaltung vom Sonderforschungsbereich (SFB) Erinnerungskulturen in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) und dem International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) am 17. und 18. November 2006 .

Unter dem Titel „Virtual Memory, Virtual History - Digitale Verbreitungsmedien: Konkurrenz und Komplementarität?“ hatte Prof. Dr. Claus Leggewie als Leiter des Teilprojektes im SFB Vortragende aus diversen Fachrichtungen zu einem interdisziplinären Austausch in den Margarete-Bieber-Saal eingeladen.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welche Konsequenzen die Darstellung von Geschichte in digitalen Medien für die Erinnerung an historische Ereignisse hat. Diese Fragestellung bearbeiteten die Vorträge an aktuellen Beispielen aus verschiedenen Bereichen wie etwa CD-ROMs, Computerspielen und Websites. Ein zentraler Gesichtspunkt war, ob die Thematisierung von Geschichte und Gedenken in diesen Verbreitungsmedien in Konkurrenz zu traditionellen Formen von Erinnerung steht oder diese vielmehr ergänzt.

Zum Tagungsprogramm

Überblick über die Vorträge

Zum Einstieg berichtete die Historikerin Dr. Annette Hünnekens im Vortrag „Expanded Exponat“ über Entwicklungen aus der musealen Praxis. Sie zeigte exemplarisch die Vielschichtigkeit medialer Vermittlung von kultureller Erinnerung in digitalen Artefakten auf.

Tagungsorganisator Dr. Erik Meyer erörterte zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages, welche Veränderungen sich vor allem im World Wide Web abzeichnen. Sein Vortragstitel „Erinnerungskultur 2.0“ bezog sich auf die aktuelle Diskussion um das „Web 2.0“ und beleuchtete unter anderem die Orientierungsfunktion von Internet-Portalen, Suchmaschinen und der Online-Enzyklopädie „Wikipedia“.

Daran knüpfte auch der Gießener Geschichtsdidaktiker Prof. Vadim Oswalt mit seinem Vortrag über „Virtuelle Gedenkstätten, interaktive Lernwelten und enzyklopädische Wissensspeicher“ an. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen CD-ROMs zu historischen Themen, die oftmals im schulischen Unterricht genutzt werden: Nicht alle Angebote werden dabei den Erwartungen an eine angemessene Darstellung gerecht.

In den folgenden Vorträgen wurden aber auch beispielhafte Projekte präsentiert.
Der Darmstädter Juniorprofessor Dr. Bruno Arich-Gerz zeigte das Ergebnis eines Lehrforschungsprojekts über die Luftangriffe auf Darmstadt während des Zweiten Weltkrieges: Eine CD-Rom mit Interviews von Überlebenden, Textbeiträgen und Videos, die von Studierenden maßgeblich mitgestaltet wurde.

Über den Zweiten Weltkrieg in Computerspielen referierte der Historiker Gunnar Sandkühler aus Bochum. Er ermöglichte dem Publikum Einblicke in eine kaum bekannte und bislang von der Wissenschaft nur unzureichend thematisierte „virtuelle Welt“.

Der Medienwissenschaftler Dr. Ralf Adelmann von der Universität Paderborn präsentierte seine Forschungsergebnisse über den Einsatz von Computeranimationen im Geschichtsfernsehen. Er zeigte anschaulich, welche Strategien der Visualisierung in populären Fernsehformaten verwendet werden, wenn kein historisches Bildmaterial vorhanden ist.

Unter dem prägnanten Titel „Man muss ihnen schöne Bilder präsentieren“ gab die Kommunikationswissenschaftlerin Dörte Hein von der Universität Greifswald einen informativen Überblick über Websites zu Nationalsozialismus und Holocaust. Sie verband dabei quantitative Analysen mit einer qualitativen Untersuchung einschlägiger Angebote.

Den Abschluss der Tagung bildete ein Vortrag von Marc Grellert (Darmstadt) über „Erinnerung im immateriellen Raum“. Aus der Perspektive der Architektur lotete er Potenziale und Grenzen digitaler Technologien am Beispiel der Rekonstruktion zerstörter Synagogen aus.


Weitere Informationen zu den Veranstaltern:
Sonderforschungsbereich "Erinnerungskulturen"
International Graduate Centre for the Study of Culture


zuletzt bearbeitet: [|profil.btrebitz], 19.01.2012 um 11:01 Uhr