ZMI-Filmreihe

Das große Fressen. Kochen und Essen im Film

Die kulinarische Filmreihe von Henning Lobin und Sabine Heymann
2005/2006

Bild ohne Beschreibung

















Nach dem großen Erfolg der "Medienereignisse im Film" gab es auch im WS 2005/06 eine ZMI-Filmreihe.
An vier Abenden wurden jeweils zwei Filme zu einer speziellen Küche gezeigt.

Aus der Einführungsrede von Henning Lobin:
"Die Filmreihe geht auf die Beobachtung zurück, dass vor allem im Medium Film Kochen und Essen thematisiert wird und dieses sich in einer Reihe großartiger Filme niedergeschlagen hat. Das Medium Film ist trotz des fehlenden olfaktorischen Kanals ideal für diese Thematik geeignet: Zutaten werden in Großaufnahme gezeigt, wir können die Schweißperlen auf der Stirn des Kochs sehen, fertige Gerichte sind perfekt ausgeleuchtet und serviert, wir beobachten essende Menschen am Tisch (oder wo sonst noch überall gegessen wird...). Die sinnliche Seite des Essens und Kochens steht also im filmischen Medium im Mittelpunkt.

Warum nun zeigt ausgerechnet das ZMI diese Filme?
Die Filmreihe im letzten Jahr zum Thema "Medienereignisse im Film" hatte einen Bezug zur Arbeit in der ZMI-Sektion "E-Business E-Politics E-Government". Eine Sektion "eCooking and eEating" gibt es aber bislang nicht. Ganz allgemein befasst sich das ZMI mit Medien und Interaktivität. In den in dieser Filmreihe gezeigten Werken geht es nicht um das Essen und Kochen an sich, sondern in seiner Funktion als symbolischen Trägern für die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehung, Liebe, Leidenschaft, von Charakteren, gesellschaftlicher Entwicklungen oder Ideologien. Essen ist also ein Bedeutungsträger , ein Medium . Essen entsteht dadurch, dass der Koch die Zutaten verändert und dabei zugleich die geschmackliche oder stoffliche Substanz der Zutaten so gut wie möglich erhält oder verstärkt. Es findet also ein entropischer Informationsaustausch zwischen Zutaten und Koch statt, eine Interaktion. Die im fertigen Essen gespeicherte stoffliche Interaktion des Kochs mit den Zutaten hat ihre
gestalthafte Entsprechung bei den Essern des Interaktionsmediums Essen in Ihrer symbolischen Interaktion."


Programm


14.12.2005 – Asiatische Küche

1. Ang Lee: "Eat Drink Man Woman " (1994)
Mit einem Kommentar von Ching-Yi Hung-Breunig

Chu, früh verwitweter taiwanesischer Meisterkoch ohne Geschmackssinn, bittet Sonntag für Sonntag seine drei Töchter zum Festschmaus. Doch die Tage dieses Rituals scheinen gezählt, denn die jungen Damen streben nach Selbständigkeit: Die eine wird schwanger, die andere wird von ihrem Freund verlassen und die dritte findet die große Liebe. Angesichts der dramatischen Veränderungen möchte auch der Herr der Kochtöpfe nicht zurückstehen und serviert eines Tages eine große Überraschung...

2. Juzo Itami: "Tampopo " (1985)
Mit einem Kommentar von Henning Lobin

Die junge Witwe Tampopo betreibt in Tokio eine mäßig laufende Suppenküche. Als eines Tages LKW-Fahrer Goro auftaucht und die Kreationen kostet, nimmt er sich erst einmal ihrer Kochkünste an. Wenig später steht eine Gourmet-Köchin am Herd. Ihre Speisen können sich sehen lassen, doch sie haben es in sich ... Tampopo ist eine satirisch-kritische Komödie, die eine Menge kleiner Geschichten erzählt: Von einem Gangster, der heißen Sex beim Essen liebt oder einer alten Lady, die einen Ladenbesitzer terrorisiert.

11.1.2005 – Französische Küche

1. Marco Ferreri: "Das große Fressen " (1973)

Vier verdiente Bürger der Gesellschaft treffen sich auf dem Anwesen eines der Herren, um sich totzufressen. Alle vier sind Genussmenschen, beruflich erfolgreich und finanziell bestens ausgestattet. Der Jurist Philippe (Philippe Noiret), der als Gastgeber fungiert, geht seiner Begierde nach barocken, matronenhaften Damen nach, während Flugkapitän und Frauenheld Marcello (Marcello Mastroiani) die jungen Mädchen regelrecht hinterherfliegen. Fernsehproduzent Michel (Michel Piccolli) hat ein Faible für Balletteinlagen und ist nicht nur heterosexuell festgelegt, und Koch Ugo (Ugo Tognazzi) ist durch seinen Beruf per definitionem ein Schlemmerfetischist. Man zieht sich mit Wagenladungen voller Köstlichkeiten und einer handvoll williger Huren zurück, um seinem Leben auf kulinarische Weise ein angemessenes Ende zu bereiten.

2. Claude Zidi: "Brust oder Keule " (1976)

Charles Duchemin, Gastrokritiker und Herausgeber des "Guide Duchemin", ist der Schrecken aller französischen Küchenchefs. Um seinen Restaurantführer ständig auf dem Laufenden zu halten, lässt Duchemin alle nennenswerten Restaurants von einem Heer von Agenten überwachen, die er selbst geschult hat. Sein Motto: Rettet die französische Esskultur! Sein Erzfeind Tricatel hingegen betreibt eine Ladenkette für synthetische Fertigprodukte. Das ist für Charles das größte Unheil: eine barbarische Offensive! Tricatel sieht das anders und serviert dem feinen Gaumen des Feinschmeckers ein widerliches Plastikmenü, das Duchemins Geschmacksnerven zerstört. Duchemin sinnt auf Rache und will seinem Intimfeind kräftig die Suppe versalzen ...

25.1.2006 – Retro-Küche

1. Gabriel Axel: "Babettes Fest " (1987)

Die geheimnisvolle Französin Babette kommt 1871 auf Grund von Unruhen im eigenen Land in ein ein karges norddänisches Fischerstädtchen. Im Hause zweier Schwestern, die als Mitglieder einer strengen Sekte ein frommes Leben führen, findet sie Unterschlupf. Sie erhält sie eine Anstellung als Dienstmädchen. Die beiden ahnen natürlich nicht, dass sie die einst berühmteste französische Köchin unter ihrem Dach beherbergen. Als Babette überraschend im Lotto gewinnt, erfüllt sie sich einen Lebenswunsch und bewirtet die pietistischen Dörfler selbstlos mit einem kulinarischen Mahl erster Güte. (Nach einer Erzählung von Tanja Blixen)

2. Lasse Hallström: "Chocolat " (2000)

Die schöne Vianne kommt mit ihrer kleinen Tochter Anouk in eine erzkatholische Kleinstadt der französischzen Provinz. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Als aber Vianne - ausgerechnet in der Fastenzeit - eine Chocolaterie eröffnet, weckt sie die geheimen Gelüste der Einheimischen. Ein wahrlich sinnliches Vergnügen beginnt: Trotz anfänglicher Skepsis können sich die Dorfbewohner der verführerischen Wirkung der süssen Köstlichkeiten nicht entziehen. Nur dem Bürgermeister ist das ein Dorn im Auge. Er eröffnet eine Hexenjagd. Mit überraschenden Ausgang ...

8.2.2006 – Kannibalistische Küche

1. Peter Greenaway: "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber " (1989)

Richard ist Koch und Inhaber eines Gourmet-Restaurants. Der skrupellose Dieb Albert Spica versucht, durch seine abendlichen Diners in dem exklusiven Restaurant soziales Ansehen zu geewinnen. Jeden Abend schwelgt er in opulenten Fressgelagen, stellt schamlos seinen gestohlenen Reichtum zur Schau und amüsiert sich auf Kosten anderer. Der Romanze seiner Frau mit einem Buchhändler setzt er ein grausames Ende: Der Liebhaber wird kaltblütig ermordet. Er ahnt nicht, dass seine Frau mit Hilfe des Kochs schon einen Rachezug plant ... freuen Sie sich auf den Leichenschmaus.

2. Marc Caro und Jean-Pierre Jeunet: "Delicatessen " (1991)

Der arbeitslose Musikclown Louison bewirbt sich in einem einsamen alten Haus am Stadtrand als Hausmeister. Im Erdgeschoss gibt es Delikatesssen. Die Bewohner sind seltsame, spleenige Leute - auf absurde Weise aufeinander eingespielt. Alle interessiert nur eins: Frischfleisch. Sobald es knapp wird, tritt ein kannibalisches Gesetz in Kraft, denn für die Gourmets von Herz und Leber muss gesorgt werden. Wer kommt als nächstes als Frikasssee auf den Tisch? Als Louison als Hausmeister einzieht, wird die Serie des Sonntagsbratens unterbrochen. Die kurzsichtige Tochter des Schlachters möchte Louison nicht scheibchenweise auf dem Teller, sondern ganz und gar für sich. Eine Hausverschwörung bahnt sich an ...

3.5.2006 – Nachschlag

1. Alexander Payne: "Sideways " (2004)


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zuletzt bearbeitet: [|profil.btrebitz], 05.03.2012 um 11:03 Uhr